© M + K Computermarkt 97/2, Luzern, Schweiz
Autorin: Dr. Silvia Rothen, rothen ecotronics, Bern, Schweiz
Letzte Überarbeitung: 17.08.01
Eine kommerzielle Weiterverwendung dieses Textes ist bei
korrekter Zitierweise unter Angabe der Quelle erlaubt.
Gewisse Software-Produkte haben einen Standard erreicht, wo man sich zu Recht fragt, was
es da noch zu verbessern gibt und ob sich ein Update denn auch wirklich lohnt. Obwohl
Photoshop durchaus in die Spitzenklasse der Bildbearbeitungsprogramme gehört, sei es hier
verraten: Und es lohnt sich doch! Zumindest jene, die Photoshop professionell einsetzen,
werden einige der Neuerungen mit einem Endlich!" begrüssen. Das zweifellos
Nützlichste dürfte die Möglichkeit sein, sich wiederholende Aufgaben mit sogenannten
Aktionslisten weitgehend zu automatisieren.
Adobes Photoshop ist ein Klassiker, der bei der Bildbearbeitung im grafischen Gewerbe nicht nur auf Macintosh und Windows als inoffizieller Standard gilt. Schon die Version 3.0 liess mit einer Unzahl von Werkzeugen und Filtern sowohl bei der kommerziellen wie bei der künstlerischen Anwendung kaum einen Wunsch offen. Adobe muss also schon einiges bieten, um seine Kundschaft zum Kauf der neuen Version zu verleiten. Die 3D-Oberfläche im Win95-Stil mit Tool-Tips und Kontextmenüs wird dazu kaum reichen.
Tatsächlich bietet die Version 4.0 zahlreiche Neuigkeiten, wovon professionelle AnwenderInnen vor allem die folgenden schätzen werden:
Wer beispielsweise in der Werbebranche häufig hochaufgelöste Bilder für den Druck bearbeitet, ist es gewohnt, mit Dateien in der Grössenordnung von 50 bis 100 Megabyte zu hantieren. Ein Programm, das mit intelligenter Technologie die Anwendung von Filtern erheblich beschleunigt oder ermöglicht, bestimmte Arbeitsschritte in der Nacht im Batch ablaufen zu lassen, ist hier kein Luxus, sondern senkt Lohnkosten und erlaubt, die teure Hardware-Infrastruktur besser auszulasten. Die neu entwickelte Caching-Technologie dient vor allem dazu, hochaufgelöste Bilder nach Änderungen schneller anzuzeigen.
Aktionslisten sind Makros, mit denen man gewisse Bearbeitungsschritte aufzeichnet, um sie anschliessend bei anderen Dateien automatisch ablaufen zu lassen. Allerdings kann man damit vor allem die Anwendung von Filtern und Korrekturen automatisieren, während die Eingabe von Text oder das Erstellen von Auswahlen und Pfaden nach wie vor von Hand erfolgt. Die Abbildung 1 und die Anleitung im Kasten geben einen Vorgeschmack darauf, wie leistungsfähig dieses neue Werkzeug ist.
Bessere Übersicht auf dem Bildschirm verspricht der Navigator. Auf diesem Miniabbild kann man direkt den Bildausschnitt verschieben oder stufenlos zoomen. Die Vergrösserung oder Verkleinerung lässt sich neu auch direkt in der Statusleiste eingeben. Magnetisches Raster und Hilfslinien sind zwei Instrumente weitere, die Photoshop aus Zeichenprogrammen entlehnt, um präzises Positionieren zu erleichtern.
Seit es Ebenen gibt, haben vorsichtige BenutzerInnen Änderungen ohnehin immer nur an einer Kopie einer Ebene vorgenommen. Man kann sich deshalb fragen, ob die Adjustment Layers wirklich eine sinnvolle Neuerung sind. Mit Adjustment Layers nimmt man gewisse Änderungen aus dem Menü Adjust nun nicht mehr auf dem Original vor, sondern in einer Korrekturebene darüber. Diese Korrekturebenen lassen sich kumulieren, kopieren, überblenden, verschieben, ausblenden. Sie bieten damit also noch mehr Flexibilität als Kopien von Ebenen.
Neben diesen grossen Fortschritten gibt es zahlreiche kleine Änderungen, die effizientes Arbeiten unterstützen oder der Kreativität neue Möglichkeiten zur Verfügung stellen. Zum einen hat Adobe zahlreiche Effektfilter integriert, die man vorher als Adobe Gallery Effects separat kaufen musste. Damit lassen sich weitere Mal- und Zeichentechniken wie Wasserfarben oder Holzkohle auf Fotos anwenden. Zum anderen bietet das Verlaufswerkzeug nun die gleichen Möglichkeiten wie bei Illustrator, d.h. Mehrfarbverläufe und Übergänge in transparente Bereiche. Attraktiv ist auch das neue Werkzeug Frei transformieren", mit dem man mehrere Skalierungen, Drehungen und Verzerrungen in einem Arbeitsschritt vornehmen kann.
Endlich gibt es auch die Möglichkeit, für alle Formate Thumbnails zu speichern und damit in der Bildersammlung auch ohne teures Zusatzprogramm etwas mehr Überblick zu gewinnen. Überflüssig zu sagen, dass auch Photoshop dem Internet seine Ehre erweist, indem er mit Progressive Network Graphic (PNG) und dem Netscape-Grafikformat Progressive JPEG zwei Formate speziell fürs Internet unterstützt. Gerade im Internet ist man auch dankbar für das digitale Wasserzeichen, das erlaubt, Copyright-Informationen in einer Datei zu verschlüsseln und so eine bessere Handhabe bei Verletzungen des Urheberrechts zu haben.
Nicht zu verachten ist auch das üppig mitgelieferte Beigemüse. Die englische Version von Photoshop 4.0 trifft auf zwei CD-ROMs ein, die nicht nur das Programm und diverse Zusätze wie Plug-Ins, Texturen und Aktionslisten enthalten, sondern darüber hinaus auch lizenzfreie Fotografien, ein Tool zur Erstellung eigener Filter, den Acrobat Reader und den Type Manager sowie Video-Tutorials mit z.T. verblüffenden Tips und Tricks für Photoshop. Wer es nicht glaubt (und den amerikanischen Slang nicht scheut), sei auf das Video über die Entfernung eines roten Flecks auf der ersten CD verwiesen (Digital Stain Remover von Russell Brown im Kapitel Overview).
Einige Nachteile und Unterlassungssünden seien hier nicht verschwiegen: Die Palettitis hat Ausmasse erreicht, die das Arbeiten mit einem 15-Zoll-Bildschirm eher umständlich macht. Wer nicht auf dem Macintosh mit zwei Bildschirmen arbeiten kann, schiebt ständig Paletten auf dem Bildschirm herum oder schliesst und öffnet sie, weil gerade wieder der zu bearbeitende Bildausschnitt verdeckt ist.
Auch wenn Adjustment Layers und Kopien von Ebenen es teilweise überflüssig machen, hätten doch einige Leute ein mehrstufiges Undo vorgezogen. Der exorbitante Speicherbedarf bei grossen Dateien verhindert wohl eine Korrekturmöglichkeit über mehrere Arbeitsschritte. Ein unerfreuliches Detail für geübte BenutzerInnen ist auch, dass Adobe sich zwar bemüht hat, die Bedienung noch einfacher und effizienter zu machen, dafür aber einige lange trainierte Tastaturkombinationen geändert hat.
Einige der Neuerungen, nämlich der Navigator, Aktionslisten und Thumbnails als Vorschau, kennt Picture Publisher übrigens schon seit der Version 5.0 im Jahr 1994! Trotz seiner fast ebenso ausgereiften Möglichkeiten und seinem günstigeren Preis gelang es diesem Programm nie, zum ernsthaften Konkurrenten für Photoshop zu werden. In einem Punkt ist der Picture Publisher übrigens immer noch besser: Die Objekte, die den Layern in Photoshop entsprechen, sind zwar nicht ganz so übersichtlich wie diese, lassen sich dafür aber wie Zeichenobjekte gruppieren und ausrichten, z.B. zentrieren. Diese Möglichkeit vermisst man in Photoshop zur Zeit noch. Für den Hobbygebrauch kann man den Picture Publisher durchaus als ernsthafte Alternative empfehlen.
Alles in allem zeigt die neue Version 4.0 aber, dass Photoshop zu Recht Marktleader im Sektor der High-End-Bildbearbeitungsprogramme ist. Photoshop entwickelt sich allmählich tatsächlich zu dem, was Adobes Werbung verspricht: "A camera for your mind".
Mit den folgenden Aktivitäten erzeugen Sie in der englischen Version von Photoshop 4.0 den Schrifteffekt im Bild und erstellen eine Actionliste, mit der Sie dessen Erstellung in Zukunft weitgehend automatisieren können.
Für die englische Version von Photoshop können Sie die Action auf Ihren Computer herunterladen (Download)
Nun können Sie Ihre Aktionsliste testen und ganz nach Wunsch auch erweitern.
Mit einem Mausklick auf den folgenden Link können Sie die Action "Feuerschrift" auf Ihren Rechner laden. Diese Action können Sie nur in Kombination mit dem Bildbearbeitungsprogramm Adobe Photoshop in der Version 4.0 verwenden. Ich habe es nicht ausprobiert, aber mit ziemlicher Sicherheit funktioniert die Action nur in der englischen Version.
Die Datei mit der Action kann in ein beliebiges Verzeichnis kopiert werden. Nach dem Start von Photoshop lässt sich die Action "Feuerschrift" im Menü der Palette ACTIONS mit LOAD ACTIONS (an Actionliste anfügen) oder mit REPLACE ACTIONS (Actionliste ersetzen) hereinholen.
Download der Action "Feuerschrift" für Photoshop 4.0, englische Version (psfeuer.atn, 2 KB)
Der Download erfolgt ohne Garantie auf Erfolg und auf Ihre eigene Verantwortung!
Links zu Photoshop finden Sie in der Webdesign-Linkliste in der Unterkategorie "Tipps und Tricks zu Programmen - Photoshop".
Diese Webseite wurde am 17.08.01 um 15:44 von rothen ecotronics, Bern, erstellt oder überarbeitet. Falls Sie für Ihre eigenen Webseiten Unterstützung benötigen, finden Sie diese unter dem folgenden Link: rothen ecotronics
Wenn Sie uns ein EMail senden wollen, klicken Sie hier!